„Schade, schon vorbei!“, „Nächstes Jahr komme ich bestimmt wieder!“, „Am besten war das Wagenrennen und der Schlagzeugworkshop!“ so und ähnlich hörte man viele Kinderstimmen, nach dem ersten SoLa in Wünsdorf.
Und in der Tat, unser Erstling wird uns wohl noch eine Weile in guter Erinnerung bleiben. Vielleicht lag es am Wetter, das (fast) immer top war oder an den tollen Mitarbeitern oder an der guten Küche oder einfach daran, dass viele Gebete erhört worden sind. Dabei war der Start eher bescheiden. Die Kinder - insgesamt waren es 76 - kamen an und mussten sich schnell vor dem Regen in das große Zelt flüchten. Vom römischen Markt mit dem Essensstand, der Wechselstube, unserer Bettlerin und dem Sklavenverkauf war anfänglich wenig zu sehen. Doch das Wetter besserte sich schnell und jede „Familie“, bestehend aus ca 6 Mitarbeitern, 20 Kindern, 4 Zelten, einer Feuerstelle und einem Schlachtruf, konnte damit beginnen, sich ihr Reich aufzubauen. Tische und Bänke wurden gebaut und im Verlauf der Woche kamen Zäune, Schuhregale, Fahnenstangen, Tore und sogar eine Hollywoodschaukel hinzu. Ach ja, und dann kam Neros großes Fest. Und zum ersten Mal erlebten wir die Gladiatoren in Aktion - Spannung pur. Am ersten Abend war alles neu. Am Lagerfeuer sitzen, der Geruch und die Geräusche im Zelt, der ungewohnte Schlafsack, die Gute-Nacht-Geschichte und natürlich der abenteuerliche Weg zum Waschzelt. Waschen im Schein der Taschenlampe! Und die Klos waren auch irgendwie zuerst ungewohnt. Statt Wasserspülung, Sägespäne nachwerfen - Das hat man nicht alle Tage! Und dann der Schrei: „Rom brennt, kommt alle raus, Rom brennt!“
. Tatsächlich der Marktplatz steht in Flammen! Einige können vor Aufregung gar nicht einschlafen. „Wer das wohl war? Vielleicht die Gruppe nebenan? Oder doch Nero selbst? Hatte er nicht dabeigestanden und seine Ode auf Rom gesungen?“ Jedenfalls ein wilder Start für ein Zeltlager…
Der nächste Tag begann mit einem guten Frühstück in den „Familien“. Jede Familie war nach einem römischen Hügel benannt und hatte eine bestimmte Farbe - Aventin (blau), Capitol (gelb), Palatin (grün) und Caelius (rot). Nach dem Frühstück wurde in Kleingruppen über ein biblisches Thema gesprochen. Und danach stand Lagerbau auf dem Programm. Überall wurde gesägt, gemalt, gehämmert und Holz geschleppt. Zum Mittagessen trafen wir uns alle vor der Küche. Jeder hatte sein Essgeschirr dabei. Nach dem Mittagessen ging es in den Wald - Geländespiel. Nero hatte gesagt, dass beim Brand Roms die Nudelvorräte geplündert worden seien. Und die Kinder sollten sie wiederfinden. Es war ein Gejage durch den Wald und zum Schluss wurde doch tatsächlich eine Schatztruhe entdeckt - voller Nudeln und mit einem Video. Jetzt erst einmal ausruhen. Wer wollte, konnte zur freiwilligen Gebetszeit gehen, die anderen bauten weiter an ihrem Lagerplatz, entdeckten den Megakicker oder ruhten sich einfach aus. Dann Abendessen, diesmal besonders üppig, schließlich hatten wir ja die Nudeln gefunden. Danach trafen sich alle im großen Zelt. Die Band war spitze. Jeder hatte sein Liederbuch (SoLaLi genannt) dabei und es wurden sogar englische Lieder gesungen (und übersetzt). Zum ersten Mal Baupokalverleihung und Nachtwachenvereidigung. Jede Nacht durften Kinder in zwei Schichten (22.00-24.00 und 00.00-02.00 Uhr) Nachwache halten. Die restliche Zeit übernahmen die „Springer“ ( = Lagerhandwerker). Im Abendprogramm kam nun das Video. Es handelte sich um den Jesus-Film. Jeden Abend schauten wir etwa eine Viertel Stunde und am nächsten Morgen redeten wir darüber. Dann wieder Zeit am Lagerfeuer. Die Küche spendierte jeden Abend eine Leckerei. Mal Schokibananen (Banane längs aufscheiden, Schogetten in den Schlitz stecken und in die Glut legen. Die weiche Masse - Vorsicht heiß! - mit dem Löffel genießen), mal Stockbrot, mal Poppkorn und natürlich auch mal Marshmallows. Geschafft und satt fielen alle in den Schlafsack.
Nachdem die Kinder sich erst einmal an die neue Umgebung und den Tagesablauf gewöhnt hatten änderte sich täglich der Schwerpunkt. Am Montag stand vormittags Sport auf dem Programm (Amerikan Eagle, Megakicker, Fußball im Silo, Völkerball und Federball). Nachmittags dann Kämpfe in der Arena. Zuerst die Kinder - „Besenstielkampf“ und dann die Gladiatoren. Es gab Zuschauer, die vor lauter Spannung gar nicht hinschauen konnten! Am Mittwoch startete die 2-Tagestour. Jede Familie marschierte auf einer anderen Route zum Übernachtungsplatz neben einem Forsthaus, mitten im Wald. Dort trafen die Kinder auch auf „Petrus“, der ihnen aus seinem Leben erzählte. Nach dem langen Tag schliefen alle unter den NVA-Planen-Zelten gut ein. Nur die beiden Löcher mit dem Sitzbalken - das Klo - waren nicht allen geheuer. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück der Weg zurück. Nero erwartete die Ankömmlinge schon und kündigt für den Nachmittag Baumaßnahmen an: Seifenrutschbahn, vier Streitwagen und ein Schwimmingpool entstehen. Ach ja, da war noch etwas: Diese Riesenwasserschlacht, bei der niemand trocken blieb. Donnerstag wurde gebastelt. An vielen unterschiedlichen Ständen konnten die Kinder Speckstein bearbeiten, T-Shirts und Socken batiken, Gipsmasken herstellen, Freundschaftsbänder knüpfen, Perlenketten aufreihen, Cremes anrühren, Gipsfiguren bemalen oder einen Speer (mit Metallspitze!) oder ein Holzschwert anfertigen. Und wer wollte bekam Schlagzeugunterricht. Der Nachmittag brachte die Olympiade. Jedes Kind musste sich für eine Disziplin melden: Hindernislauf, Bogenschießen, Speerwerfen und Wagenrennen. Nach einer Zeit des Trainings kam die Endausscheidung. Alle Familien traten gegeneinander an. Zuerst der Hindernislauf, dann Speerwerfen und Bogenschießen. Zum Schluss das Wagenrennen. Zwei Runden um den Platz, vier Teams pro Familie, drei Boxenstopps. Manch einer hat sich beim Anfeuern genauso verausgabt wie die Läufer selbst. Und weil die Stimmung so toll war, mussten auch die Mitarbeiter rennen. Die Stimmung war auf dem Höhepunkt! Freitag. Vormittags noch mal kreatives Programm. Ausserdem war die Kletterwand eröffnet! Nach dem Mittagessen durfte noch einmal im Wald um die Wette gerannt werden. „Wasser nach Rom bringen“ hieß das Geländespiel, bei dem die Gewinner am Ende pudelnass nach Hause kamen. Am Abend endete unsere Geschichte mit einer Gerichtsverhandlung. Die ganze Zeit hatte Nero und seine Geheimpolizei (MSR genannt; Magistratus securtatae romae) die Christen gejagt. Und jetzt wurde ihnen der Prozess gemacht. Alle Kinder waren für Freispruch, konnten an Neros Urteil aber nichts ändern. Marko erzählte daraufhin den Kindern was damals passiert wirklich passiert war, und warum die Christen lieber gestorben sind, als ihren Glauben zu verraten. Am Samstag kamen die Eltern. Nach der Abschiedsveranstaltung (inklusive Rock-Ode!), bei der die Eltern alle Schlachtrufe erlebten, einem Wagenrennen und einem Gladiatorenkampf zusahen und unser SoLa-Lied ( "Mach`s wie die Christen in Rom") lernten, schüttelten alle Kinder allen Mitarbeiter die Hand und fuhren davon. Für uns Mitarbeiter begann der ermüdende Abbau…